Weihnachtsurlaub 2024 Teil 2 – mit dem Camper von Melbourne nach Sydney

Camper – Liebe oder Hass? Wie wir dazu stehen, werden wir zum Schluss verraten. Ich denke es verhält sich ähnlich wie mit Nutella mit Butter oder nur Nutella aufs Brot. Es gibt diese zwei verschiedene Lager. Entweder man mag es oder man mag es nicht. Oder?

Jedenfalls kann ich euch verraten, dass unser Trip mit dem Camper den berühmten Satz von Matthias Claudius: „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was verzählen“, bestätigt hat.

Wie schon erwähnt holten wir am Heiligabend unseren Camper ab. Die Übergabe war relativ schnell und nach einer kurzen Einweisung in die Geräte verliesen wir immernoch etwas ahnungslos, aber frohen Mutes das Gelände. Zwei wichtige Dinge waren stets zu beachten: Linksverkehr und 8 Meter Camperlänge. So kündigte ich, wie bereits bei unserem ersten Trip in Australien, meinem Beifahrer an jeder Kreuzung meine Spurwahl an. Nur um sicher zu gehen.

Wir steuerten in unmittelbarer Nähe ein Supermarkt an, um die Vorräte für die vor uns liegenden Tage zu besorgen. Ebenso das „Weihnachtsmenü“, welches einfachheitshalber aus Burgern bestand. Während Boris einen zweiten Supermarkt aufsuchte, reinigte ich kurz die Schränke und die Oberflächen.

Ohne viel Zeit zu verlieren, ging es über Geelong an die Küste in Queenscliff. Das ist nicht der direkte Weg nach Sydney, ich weiß. Aber wir wollten die Great Ocean Road fahren und nahmen dafür und noch für einen anderen Ort einen Umweg in Kauf.

In Queenscliff machten wir eine erste Pause mit Mittagessen und eine Runde Espresso mit der eigens dafür mitgebrachten Bialetti. Von hier aus fuhren wir noch viele weitere Kilometer auf der Great Ocean Road, die sich entlang der Küste schlängelte. Unterwegs hielten wir immer wieder an und genossen die fantastischen Ausblicke auf den Ozean und die beeindruckenden Inseln. Unser Ziel für den ersten Tag war Princetown. Hier befand sich ein Naherholungsgebiet wo wir uns einen Stellplatz angemietet haben. Manche Ortschaften waren von den Kakadus übersäht. Man braucht hier keinen Zoo zu besuchen. Die Natur ist vor der Haustür bzw. Campertür.

Angekommen auf dem Platz, startete der Aufbau. Während die Kinder, zumindest Bianca, sich an den unweit grasenden Kängurus nicht satt sehen und genug freuen konnte, richteten die Erwachsenen das Abendessen. Boris genoss es, mal wieder Zeit zum Kochen zu haben bzw. einem Männerhobby – dem Grillen – nachzugehen.

Die Kängurus waren nicht Menschenscheu und kamen gegen Abend sogar näher zu den Campern. Sie waren zu meiner Beruhigung auch nicht aggressiv, denn im Vorfeld hat meine so manche Geschichten über boxende Kängurus gehört. Wir haben tatsächlich welche bei einem Streit beobachten können.

Es dauerte eine Weile bis wir uns einrichteten. Denn schließlich mussten die Betten aufgebaut und bezogen werden. Dabei mussten unsere Sachen erst Mal Platz finden. Wie es so oft ist, das sei vorwegzunehmen, fanden in den letzten Tagen alle Sachen erst so richtig ihren Platz.

Wir fühlten uns sicher, allerdings forderte die 7 cm dicke Schaumstoffmatratze unsere verwöhnten Körper heraus. An Nachtruhe war daher nicht wirklich zu denken.

Am nächsten Morgen genossen wir unser Frühstück bevor wir wieder zusammen packen und aufbrechen mussten.

Wir setzten unsere Fahrt entlang der Great Ocean Road fort. Ein großes Ziel waren die zwölf Apostel. Ein beeindruckendes Werk der Natur.

Unterwegs gab es immer wieder Haltebuchten. Hier posten viele für ein besonderes Urlaubsfoto. Die Bilder waren bestens geeignet für Fernwehkalender und hatten eindeutig Neidfaktor.

Wir fuhren bis nach Murnan‘s Bay bevor uns unser Weg ins Landesinnere führte. In der Nähe der Hopkins Falls machten wir eine Mittagspause bevor wir zu den Grampians fuhren. Unterwegs gab es einige Umleitungen wegen Feuer die uns etwas stutzig machten. Da wir keine negativen Nachrichten von unserem gebuchten Campingplatz hatten, fuhren wir zielstrebig Richtung Norden. In der Ferne stiegen aus dem Berg leichte Rauchwolken auf. Nach einer Weile kamen wir auf eine Straße die durch einen Wald führte, der offensichtlich vor kurzem brannte. Nur die Spitzen hoher Bäume waren teilweise noch grün, während die Baumstämme von den Flammen schwarz geleckt wurden. Wir sahen auch einen, auf dem Boden liegenden, Baumstamm, der noch leicht vor sich hin rauchte. Unser Bauchgefühl wurde zunehmend schlechter. Die Rauchwolken aus dem vor uns liegendem Berg wurden immer größer. Schließlich kamen uns mehrere Feuerwehrfahrzeuge entgegen, die uns nach unserem Ziel fragten und uns dann mitteilten, dass unser anvisierter Campingplatz in den Grampians evakuiert wurde. Das war schon fast zu erwarten. Eigentlich waren wir schon fast etwas erleichtert, denn eine Weiterfahrt Richtung des vor uns liegenden rauchenden Berges bereitete uns zunehmend größere Bauchschmerzen. Mit dem 8 Meter langem Camper drehte ich dann auf der Straße, was erstaunlich gut ging. Das ging gefühlt besser als mit dem Sharan vor sehr langer Zeit.

Ein paar Fakten zu diesem verheerendem Brand: 76.000 Hektar Nationalpark und Ackerland wurden verbrannt. Es hatte einen Umfang von 422 Kilometer. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Dabei war dieser Brand größer als der Brand in Kalifornien.

Also machten wir uns auf dem Weg aus dem Gebiet. Wir suchten bereits während der Fahrt nach einem neuen Campingplatz. Im Rückspiegel sahen wir die zunehmend größer werdende Rauchwolken die durch den Wind in den Osten getrieben wurden.

Die nächsten Kilometer wurde es im Auto etwas still.

Wir entschieden uns soweit in den Norden zu fahren wie es nur geht, um nicht mehr in der Windschneise des Rauchs zu sein. Es hatte etwas unheimliches an sich, auch wenn wir weit aus der Gefahrenzone waren.

Wir fuhren bis nach Green Hill Lake wo wir an einem idyllischem See unseren Camper aufbauten. Im Nachbarbaum landeten immer wieder Papageien die ich so in der freien Natur noch nie gesehen habe. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits 640 km auf dem Tachometer.

Wir haben uns meistens darum bemüht einen Campingplatz mit Dusche und Toilette im Vorfeld zu buchen, um mit der Campertechnik, insbesondere der Toilette wenig zu tun zu haben. Dies bedeutete, dass wenn jemand nachts auf die Toilette musste, musste er den Camper verlassen. Das hatte seine Vorteile, denn so haben wir nachts tatsächlich den wunderschönen Himmel sehen können. Die Sterne waren gefühlt viel näher und es waren viel mehr Sterne zu sehen. Wir haben die Milchstraße gesehen. Einfach wunderschön.

Am Tag drei der Tour wollten wir die Stadt Bendigo erreichen. Auf dem Weg dahin wollten wir die „the great Stupa of universal Compassion“ zu deutsch die große Stupa des universellen Mitgefühls uns anschauen.

Hier muss ich gestehen, dass ich mich im Vorfeld dazu nicht gut informiert habe. Das Gebäude an sich sah auf den Bildern architektonisch ansprechend aus und ein Tempel pro Urlaub muss schon sein ;-). Es handelt sich dabei wohl um die größte Stupa in der westlichen Welt mit einem Durchmesser von 50 Meter und 48 Metern Höhe. Deren Bau wurde im Jahr 2004 initiiert und 2009 eingeweiht. Im Vergleich zu den Tempeln die wir bisher gesehen haben, könnte es als Neugeborenes durchgehen.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich war enttäuscht. Die Stupa soll ein Nachbild einer Gyantse Stupa in Tibet sein. Das Gebäude ist höchstens aus der Vogelperspektive architektonisch wirklich beeindruckend. Im Inneren besticht es durch eine übertriebene Nüchternheit. Die Wärme und Geborgenheit die sonst so ein Tempel ausstrahlt, vermisste ich.

Draußen wehte an diesem Tag ein starker Wind. Da die Wege durch die Anlage und um den Tempel herum aus Sand bestanden, bescherte der Wind uns eine Art Peeling. Das Duschen auf dem Campingplatz schoben wir nicht lange auf, denn wir fühlten uns sandpaniert an.

Wir haderten nicht lange und entschieden uns Richtung Campingplatz in Bendigo aufzubrechen.

Meine Definition von Camper: Ein Homo sapiens, der ähnlich einem Radfahrer, stets eine Materialschlacht betreibt. Wir erkannten deutlich Parallelen. An der Ausstattung des Campers oder des Zeltes und des sonstigen Equipments ist die Erfahrungsstufe oder Häufigkeit des Campens/Zeltens eindeutig zu erkennen. Von integrierter Spülmaschine über Wäscheständer, Luftbefeuchter, sesselartige Campingstühle und übergroßen Grill ist alles zu finden. Ansonsten ein überaus hilfsbereites und freundliches Volk.

Da dies unsere erste Erfahrung mit den Campern war, können wir keine parallelen zu deutschen Campern ziehen. Fest steht, auf Grund der Anzahl der Campingfahrzeuge die uns auf den Straßen entgegen kamen, lieben die Australier zu campen. Die vielen Naturschutzgebiete bieten sich dafür auch hervorragend an.

Am nächsten Tag war unser Ziel möglichst viele Kilometer zurück zu legen um möglichst weit Richtung Osten zu kommen um am folgenden Tag dann an der Ostküste auf den Ozean wieder zu stoßen.

Mit 823 km auf dem Tachometer starteten wir die Tour. Wir deckten uns vorsichtshalber noch mit Lebensmittel ein, denn unser nächster Campingplatz war mitten in einem Naturschutzgebiet.

Wir erreichten den Chiltern-Mount-Pilot Nationalpark zum Mittagessen. Auf dem Parkplatz waren wir die einzigen mit einem Camper. Der Weg dahin war teilweise sehr eng, was sicherlich den einen oder anderen Camper abschreckte.

Wir machten einen kurzen Spaziergang bevor wir uns weiter auf den Weg machten. Die restlichen 100 km vor unserem eigentlichem Ziel für diesen Tag in Geehi, schlängelten sich durch den Nationalpark. Bei dieser Fahrzeuglänge konnten die Kurven teilweise nur mit 20 km/h gefahren werden. Aber es hat sich gelohnt. Der Campingplatz lag Mitten in einem Naturschutzgebiet. Und auch dieses Mal grasten die Kängurus unweit und hoppelten sogar einmal quer durch. Unweit befand sich ein Fluss mit glasklarem Wasser an dem die anderen Camper sich ihr Trinkwasser holten.

Zu unserer Enttäuschung sahen wir aus einem der umliegenden Berge Rauch aufsteigen. Die Sorge von zwei Tagen zuvor lag uns noch in den Knochen. Besorgt schauten wir Richtung des Berges. Andere Camper beruhigten uns und meinten, da wir nur eine Nacht da bleiben, haben wir nichts zu befürchten. Beim Abendessen, wir haben mal wieder gegrillt, wurden wir von Fliegen belagert, was uns leicht genervt hat. Darauf hin sagte Boris: „Julia, das war eine saublöde Idee. Wir sind keine Naturmenschen“. Dies sorgte für riesen Gelächter.

Am Morgen wuschen wir uns in dem oben genanntem Fluss, packten wieder zusammen und sattelten auf. Der restliche Weg schlängelte sich ähnlich wie die letzten Kilometer des Vortages durch den Wald. Wir hatten auch einige Höhenmeter die wir hinter uns bringen mussten. Die Gegend hier war wesentlich grüner als in der Gegend um Bendigo. Wir führen die Alpine Road und kamen schließlich, nachdem wir aus den Bergen raus waren in ein Gebiet das uns stark an Allgäu erinnerte. Es fühlte sich richtig heimelig an. Obwohl wir bereits seit einigen Tagen und bereits über 1000 km mit dem Camper zurückgelegt haben, konnten wir uns noch nicht satt sehen. Schließlich war der Ozean an Mills Beach in Sicht. Wir aßen zu Mittag bevor wir die letzten Kilometer bis zum Campingplatz antraten.

Wir Campten in NRMA Batemans Bay Holiday Resort mit allen Annehmlichkeiten wie Dusche und einer Campingküche.

Die meisten Kilometer hatten wir bereits hinter uns und das war gut so.

Am nächsten Tag lag der letzte Campingplatz und lediglich 150 km vor uns. Unterwegs machten wir einen Halt im Budderoo National Park. Wir machte eine kleine Wanderung zu einem Wasserfall. Die Grillen waren teilweise richtig laut, dass man sich die Ohren zuhalten musste. Aber die Wanderung lohnte sich allemal.

Dieses mal kamen wir am frühen Nachmittag auf dem Campingplatz an und entschieden den vorletzten Tag mit Kaffe und Kuchen zu feiern.

Kennen Sie das Murphys Gesetz? Bei Murphys Gesetz (übersetzt aus dem amerikanischen: “ Murphy’s law “) handelt es sich um die Annahme, dass alles was schiefgehen kann, auch schiefgehen wird.

Tja, auch bei uns fand es Anwendung. Wir wollten gerade unseren oben erwähnten Kaffe genießen, als ein Windstoß die Campingtür mit einem lautem Knall zufallen ließ. Dies geschah bisher schon dutzende Male. Nur dieses Mal fiel die Tür aus uns unerklärten Gründen ins Schloss. Die Fahrerkabine war ebenfalls abgeschlossen und die Schlüssel lagen neben dem Kochfeld im Camper. Uff. Vorahnend schlossen wir eine Versicherung für genau solche Fälle ab. Wir kontaktierten sofort die Servicehotlein und keine Stunde später rollte das Roadassistence Fahrzeug an. Wieder ein Erlebnis keinesgleichen.

Wir waren Zuschauer bei einem Einbruch in unser Auto. Leider erschwerte der Campingaufbau die Öffnung der Tür. Daraufhin wurden sämtliche weitere Öffnungen des Fahrzeugs nochmal gründlich untersucht. Es stellte sich heraus, dass die Luke für diversen Kabel, Schläuche und Stühle groß genug war um unter das große Bett im inneren des Fahrzeugs zu gelangen. Mit Zuhilfenahme einer Trittleiter kroch ich in diesen kleinen Raum und stemmte mich gegen die Auflage, auf der glücklicherweise keine Koffer lagen. Ich habe es geschafft und war drin. Halleluja. Nun stand einem gemütlichen Abend nicht mehr im Weg.

Der 30te Dezember ist angebrochen und damit unser letzter Tag mit dem Camper. Wir waren eigentlich erleichtert und freuten uns auf ein hoffentlich weiches Bett und eine anständige Dusche. Mehr Privatsphäre auf der Toilette und auch ansonsten einfach darauf, mehr Platz zu haben.

Doch es lagen noch ca 90 Kilometer vor uns. Wir fuhren die beeindruckende Lawrence Hargrave Drive, bekannt unter Great Pacific Drive. Warum auch immer hier die Straßennamen immer ein Great vorgesetzt haben. Die Seecliff bridge die wir passierten war wirklich beeindruckend. Nur leider war auf unserer Seite kein Parkplatz, so dass wir für einen Spaziergang über die Brücke nicht halten konnten. Nochmal umkehren wollten wir aber nicht. Für ein schönes Foto konnten wir dann am Bald Hill lookout halten. Allerdings handelte es sich um einen Busparkplatz. Von der Größe des Campers ausgehen, waren wir durchaus vergleichbar. Noch bevor wir aussteigen konnten, hielt eine Patrouille neben uns und wies uns auf das Schild hin. Erwischt. Aber auf unsere Bitte hin, nur einen Augenblick halten zu dürfen für ein schnelles Foto drückte die Dame ein oder beide Augen zu und ließ uns davon ziehen.

Wir gönnten uns noch eine letzte Portion Royal National Park bevor wir unser Ziel unweit von Sydney zur Abgabe des Campers ansteuerten.

Nach 1972,8 Kilometern verabschiedeten wir uns von unserem Zuhause der letzten Tage. Wir haben unterwegs sehr viel gesehen. Viele Nationalparks und Tiere. Leider oft auch am Straßenrand verweste Kadaver. Wir selbst hatten auch beinahe einen Zusammenstoß mit einem Känguru, wenn es sich im letzten Moment nicht von der Straße hätte retten können. Denn es war eingekesselt und konnte gerade noch in letzter Sekunde umdrehen, was auf vorgelagertem Körpergewicht auf zwei Beinen alles andere als einfach war. Ein anderes Mal querte ein Reptil gerade die Straße. Angesichts der vielen Kadaver waren wir immer sehr glücklich, wenn wir auf der Straße keinem Känguru oder anderem Tier begegnet sind.

Nun möchtet ihr vielleicht wissen zu welchem Lager wir denn nun gehören?

Wie so oft hatte die Medaille zwei Seiten. Es war schön mitten in der Natur seinen Camper aufzuschlagen und unterwegs irgendwo anhalten und ein ordentliches und gemütliches Mittagessen einnehmen zu können. Die Freiheit, wenn man nicht gerade einen Campingplatz gebucht hat, soweit man möchte zu fahren und nach Möglichkeit zu halten wo es einem gefällt und es natürlich zulässig ist. Leider litt die Schlafqualität extrem auf der dünnen Schaumstoffauflage. Auch die Sache mit der Toilette weckte nicht gerade unsere Begeisterung. Daher nein. Wir sind keine Camper und es ist okay so.

Es wurde jetzt doch ein ganz schön langer Bericht. Aber wie gesagt: „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was verzählen“

ju

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