Wir sind wieder da. Nach reiflicher Überlegung und Abwägung haben wir entschieden unseren Blog fortzuführen. Dieser Blogbeitrag ist eine Zusammenarbeit von uns beiden. 😉 ( Eine Erklärung für den Perspektivwechsel im Beitrag)
Nach dem letzten Ironman in Busselton im Westen von Australien im November 2023 wollte ich ( Boris) keinen Ironman mehr machen.
Die Entscheidung war für mich eigentlich endgültig. Allerdings vergisst man nach wenigen Tagen die ganzen Schmerzen und erinnert sich nur noch an die schönen Dinge. Vergessen ist schnell, dass man beim Schwimmen fast 1,5 Stunden gegen die Wellen kämpfen muss, beim Radfahren mindestens die Hälfte der 180km mit Sitzproblemen zu kämpfen hat und beim anschließendem Lauf über 42,2km jede Minute seinen Entschluss sich wieder für einen Ironman angemeldet zu haben, verflucht. Allerdings ist der Zieleinlauf so genial und die Gefühle so großartig. Naja, lange Rede kurzer Sinn. Ich hatte mich wieder für einen Ironman angemeldet. Dieses Mal sollte es an die Ostküste Australiens gehen. Cairns.

Die Vorbereitung verlief allerdings nicht so gut und ich musste einige Schlüsseleinheiten ausfallen lassen. Ein paar Wochen vor dem Ironman habe ich beschlossen, doch „nur“ einen halben Ironman zumachen. Was aber in Summe immer noch 5-8 Stunden Wettkampf bedeutet.
Am 11. Juni ging es nach der Arbeit zum Flughafen. Julia erwartete mich zu Hause bereits mit gepackten Koffern. Der Flug ging um 5 Minuten nach Mitternacht und wir sollten nach einem Zwischenstopp in Singapur um 17 Uhr Ortszeit in Cairns landen. Am Flughafen in Singapur trafen wir einige Triathleten. Man erkennt den Triathleten meistens an seinem Radkoffer *g* oder natürlich an seinem Finisher Shirt und / oder an seinem Rucksack auf dem meistens Ironman prangt. So kommt man schnell ins Gespräch und trifft neue Leute. Die Wartezeit vergeht meistens wie im Flug.
Nach der Ankunft in Cairns fuhren wir mit einem Taxi in unser Hotel Pullman, welches unweit vom Start des Wettkampfes liegt.
Bevor wir komplett im Triathlon Fieber versanken, unternahmen wir einen außergewöhnlichen Tag am Great Berrier Reef. Dazu gibt es aber einen separaten Bericht.
Wie gesagt das Hotel lag unweit des Geschehens. Vom Fenster aus konnte man auf Teile der Laufstrecke sehen.
Auf Grund der Kürze der uns zur Verfügung stehenden Zeit, haben wir die Sehenswürdigkeitentour dieses Mal runter geschraubt und uns entschlossen die Zeit damit zu verbringen etwas zu entspannen und die Ironman Atmosphäre so richtig aufzusaugen.
Cairns ist eine kleine wunderschöne Stadt am Ozean. Zwar leben hier über 150 Tausend Menschen. Trotzdem fühlt sich dieser Ort nach einem kleinen gemütlichen Städtchen an. Unweit des Strandes befindet sich eine Art Freibad. Die grünen Wiesen laden dazu ein hier zu verweilen und das Leben zu genießen. Ebenfalls gibt es ausreichend Möglichkeiten zum Grillen oder in den an der Promenade gelegenen Restaurants zu speisen.
Natürlich herrschte hier ein Ausnahmezustand. Die Restaurant waren alle gut gefühlt. Das lag aber nicht nur an den ganzen Triathleten. Die Australier haben eine Ausgehkultur. In den Restaurants ist es immer sehr laut. Es wird laut gesprochen und gelacht. Glücklicherweise kommen wir aus Peking und erleben damit keinen Kulturschock. Wir kannten es aber auch schon aus Perth.
Julia ist ein Morgenmuffel. Ja, das bin ich. Morgens vor dem ersten Kaffe, kann man ein Gespräch schon fast bleiben lassen. Das habe ich sicher schon in einem oder anderem Blogbeitrag geschrieben. Ich funktioniere auf Autopilot. Üblicherweise stehen wir an den Wettkampftagen sehr früh auf. So auch dieses Mal. Dies ist eigentlich der Hauptgrund warum ich mich bisher nicht für einen Triathlon angemeldet habe. Allein das frühe Aufstehen ist eine Herausforderung für sich. Dann auch noch ins kalte Wasser. Alles absolute Ausschlusskriterien.

Hier in Cairns wird man beim Start für das frühe Aufstehen jedoch entlohnt. Ein phänomenaler Sonnenaufgang entschädigte für die kurze Nacht. Der Start lag außerhalb von Cairns, weshalb die Triathleten mit einem Bus zum Start gefahren wurden. Die ersten Busse waren ausschließlich für die Teilnehmer bestimmt. Damit hatte ich die Möglichkeit mich noch mal für eine Stunde hinzulegen. Angekommen am Start war es immer noch recht dunkel. Es dämmerte bereits. In dem ganzen Gemenge hatte ich keine Chance Boris zu finden. Glücklicherweise durfte ich vom Handy einer Dame Boris anrufen und wir haben uns noch kurz vor dem Start gefunden. Im Startbereich hörte ich auf einmal ein “ I love you Julia” ins Mikrofon rufen. Damit war ich gemeint. Der Moderator kommentierte es mit einem: “Was hat er angestellt”.
Nach dem Start gönnte ich mir einen Kaffee und genoss den wunderschönen Sonnenaufgang. Der war wirklich traumhaft. Ich habe diverse Sonnenaufgänge gesehen und dieser war definitiv einer der schönsten.
So eine Halbdistanz ist aus der Sicht des Zuschauers im Vergleich zur Langdistanz relativ kurz. Kurz nach dem ich mir einen Kaffee geholt habe, kam auch schon Boris aus dem Wasser und ging auf die Fahrradstrecke. Anschließend machte ich mich, wie üblich, zur nächsten Wechselzone die wiederum in Cairns direkt war. Nach einer kurzen Wartezeit kam Boris angerast und es ging auf die Laufstrecke. Hier wird es dann meistens etwas zäher. Es besteht die Möglichkeit die Triathleten mit Hilfe einer App zu tracken. Dazu liegen auf der Laufstrecke mehrere Matten aus. Sobald diese passiert wird, weiß man wo der jeweilige Triathlet sich ungefähr gerade befinden. Außerdem wird die voraussichtliche Zielzeit und das Passieren der nächsten Matte hochgerechnet. Damit hänge ich die ganze Zeit am Handy und aktualisiere die Anzeige. Natürlich beobachte und feuere ich nebenbei die anderen Triathleten. Da ich weiß wieviel Training und welche Herausforderung körperlicher und psychischer Natur das alles für einen bedeutet, bin ich gerade im Zielbereich sehr nah am Wasser gebaut. Nach 5:17 Stunden passierte Boris glücklich das Ziel.

Den Rest des Tages verbrachte Boris damit sich von den Strapazen zu erholen, während ich die Koffer für die Heimreise richtete. Am nächsten Morgen nahmen wir uns die Zeit und spazierten auf einem Teil der Laufstrecke. Diese verlief teilweise sehr nah am Wasser und war wunderschön. Zum Laufen war es aufgrund der Nähe zum Wasser wohl weniger angenehm.
Schon hieß es wieder zusammen packen und es ging zurück nach Peking. Am Flughafen trafen sich die ganzen Triathleten wieder.
bo/ju