Chinesisches Kulturerbe – Teekultur

Wie reichhaltig das chinesische Kulturerbe tatsächlich ist, lässt sich nur erahnen. Früher wären mir da spontan die chinesische Mauer, die Kampfkunst, der Tee, das Porzellan und der eine oder andere chinesische Philosoph eingefallen.

Während unserer bisherigen Zeit in Peking haben wir die eine oder andere Sehenswürdigkeit besucht. Nun war es an der Zeit mit der Familie an einer Teezeremonie teilzunehmen.

Es gibt sogenannte Teehäuser. Manche davon sind auf die Touristen zugeschnitten. Die Tee Dame spricht in dem Fall Englisch. Es wird die Geschichte des Tees, die verschiedenen Tees und deren Zubereitung, Tradition des Teetrinkens und die Gepflogenheiten erklärt.

Zu Beginn wurden uns die 5 Teesorten, die wir an diesem Tag trinken wollten, vorgestellt. Anschließend das notwendige Geschirr.

Die ganzen Utensilien befinden sich auf einem Brett, dass über einen Ablauf verfügt. Auf dem Brett befindet sich der Gaiwan oder eine kleine Teekanne, abhängig von der Teesorte die man zubereiten möchte. Außerdem eine Kanne für einen zubereiteten Tee, um diesen dann unter den Gästen zu verteilen.

Hier lernten wir eine der ersten wichtigen Regeln. Die Nase einer Teekanne darf niemals auf einen Gast zeigen. Die Nase des Wasserkochers heißt so ähnlich wie der Drachenmaul und würde einen Gast beleidigen/angreifen.

Unsere Gastgeberin heißt Alice und hat die Teekultur studiert. Sie ist so etwas wie ein Sommelier. Anhand des Geruchs kann sie feststellen aus welcher Region der Tee stammt. Sie zeigte uns ihre verschiedenen Zertifikate. Sie durchlief eine Ausbildung von mehreren Jahren. Anhand eines Fühltests an der heißen Teekanne, kann sie bestimmen, ob das gekochte Wasser auf die notwendige Temperatur abgekühlt ist.

Schon ging es los. Zuerst wurde das ganze Geschirr mit dem heißen Wasser gereinigt und auf die richtige Temperatur gebracht. Anschließend kam der Tee in einen Gaiwan. Bereits ohne Wasser entfaltete der Tee einen intensiveren Duft in dem warmen Behälter. Alice übergoss es nun mit Wasser. Kurz darauf wurde der Tee in eine weitere Kanne umgefüllt und zum Einschenken weiter gereicht. Da bei einer Teezeremonie viel gesprochen wird und das Gespräch nicht unterbrochen werden soll, wird zum Dank auf den Tisch getippt. Dabei richtet sich die Anzahl der tippenden Finger nach dem Rang des Einschenkenden und des Empfängers. Zum Beispiel würde der Chef mit einem Finger tippen und die Eltern, wenn das Kind der Einschenkende ist, mit zwei Fingern. Bedankt wird sich jedes Mal.

So testeten wir verschiedene Tees. Zum Schluss durften die Kinder ebenfalls einen Tee zubereiten. Es ist gar nicht so einfach aus einem Gaiwan Tee einzuschenken. Die Gefahr, sich dabei auf die Finger zu gießen, ist groß.

Es muss auch gelernt sein, die Tasse zu halten. Der Daumen auf sechs Uhr, der Zeigefinger auf zwölf Uhr. Zum Trinken wird dann die Hand gedreht. Als Frau kann man ähnlich wie in England den kleinen Finger abspreizen.

Wir hatten mir Alice viel Spaß. Sie erzählte uns die Entstehungsgeschichte eines geräucherten schwarzen Tees. Dieser Tee roch nach Rauch und erinnerte uns unweigerlich an den Schwarzwälder Schinken. Die Einzige, die es mochte, war Bianca. Allen anderen war der Geruch eines geräucherten Tees etwas suspekt.

Mit einem kleinen Teeservice als Andenken verließen wir nach 3 Stunden mit einem mit Tee gefühlten Bauch das Teehaus. Kaum zu glauben wie voll man vom Teetrinken sein kann.

Eine schöne Kultur in der das Gespräch und das Miteinander im Mittelpunkt steht.

ju

Hinterlasse einen Kommentar

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten