Autofahren in Peking und wie ich gefühlt 10 Jahre älter wurde

Unser Nachbar stellte uns sein Auto für zwei Wochen zur Verfügung.

Wir verzichten in Peking bewusst auf ein Auto. Warum? Dafür gibt es mehrere Gründe: Die chinesischen Verkehrsregeln unterscheiden sich von denen in Deutschland, zuviel Gewusel auf den Straßen und es gibt zu viele Straßenschilder die ohne eine Erläuterung keinen Sinn ergeben. Da ich mich aktuell auf das Chinesisch lernen gestürzt habe, ist die Motivation für das Lernen für den chinesischen Führerschein nicht vorhanden. Außerdem bin ich im Besitzt eines befristeten Führerscheins.

Meine erste Autofahrt nach 12 Monaten Autoverzicht führte ein mal um den Block. Am darauf folgendem Tag habe ich Boris in aller Frühe zum Treffpunkt für eine Fahrradausfahrt gefahren. Alles noch nicht so schlimm, denn es waren noch sehr wenige Menschen unterwegs. Am Nachmittag wollte ich Boris wieder abholen und stand in einem Pekinger Stau. Da ich bislang das Rad, U-Bahn oder das Taxi benutze, verließ ich mich auf die Navigation. Schließlich war ich voll und ganz mit der Verkehrsführung beschäftigt.

Eigentlich ist es mit dem Verkehr nicht so wild. Aber warum sich dem Stress der Parkplatzsuche, eines eventuellen Unfalls, Strafzettel und dem Ärger über Drängler aussetzen, wenn man sich mit dem Taxi wesentlich günstiger und entspannter fortbewegen kann. Somit existiert auch kein Mama-Taxi. Das hat auch seine Vorteile.

Nichts desto trotz haben wir uns entschieden diese Möglichkeit wahr zu nehmen und mal in das Autofahrerleben zu schnuppern.

Das Navigationssystem, muss ich an dieser Stelle lobend erwähnen, auch wenn es mich mitten in einen Stau geführt hat, ist wirklich gut. Es zeigt unter anderem die Dauer der roten oder der grünen Ampel und sehr gut die Anzahl der Fahrstreifen und welche genommen werden können. Das erleichtert einem etwas die Orientierung in Peking.

Die Herausforderung besteht allerdings darin, seine Mitverkehrsteilnehmer, das war jetzt vermutlich eine Wortschöpfung, im Blick zu behalten. Insbesondere die Radfahrer und die Mofa Fahrer, die sich an keine Verkehrsregeln halten. Jeden Augenblick muss man mit ihnen rechnen. Auf die anderen Autofahrer kann man sich leider nicht wirklich verlassen. Die Spur wird spontan gewechselt und es wird auch von rechts überholt. Die Verkehrsführung ist ebenfalls nicht leicht. Aus drei Streifen vor einer Ampelkreuzung können nach der Kreuzung zwei werden. Abbiegespuren und die Einfädelspuren sind zu kurz. Der Rechts abbiegende denkt er hat Vorfahrt, ich meine das ist sogar eine Verkehrsregel. Ich finde es aber äußerst anstrengend. Da könnte ich aus der Haut fahren, wenn einer mir die Vorfahrt nimmt. Und das Hupkonzert ist ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Wobei es hier nicht immer ein Zeichen für Ärger ist, sondern um auf sich aufmerksam zu machen. Getreu dem Motto: Pass auf, hier bin ich.

Ich hatte wirklich einige Schockmomente, wie zum Beispiel ein Mofa Fahrer der plötzlich meine Fahrspur querte. Zwei Fahrzeuge, wohlgemerkt einer rechts und der andere links von mir, wechselten beide die Spuren. Ich sah schon beide auf meiner Spur ineinander prallen. Glücklicherweise ist es glimpflich ausgegangen. Der Augenblick wenn nach der Ampel die eigene Spur plötzlich nicht mehr vorhanden ist und man erst mal schauen muss wo man sich reindrängelt.

Hier ein Hinweis auf eine Baustelle. Die Spur endete mehr oder weniger direkt dahinter.

So bin ich vollkommen fertig mit der Welt nach Hause gekommen und wahr froh, im Auto höchstens auf dem Beifahrersitz oder hinten auf der Rücksitzbank zu sitzen und das Ärgern über die anderen Verkehrsteilnehmer dem Taxifahrer zu überlassen.

Nicht desto trotzt machten wir auch einen Ausflug zur chinesischen Mauer. Auf den Landstraßen herrscht Tempo 40. Gehalten wird sich allerdings daran nur in den kameraüberwachten Abschnitten. Welche übrigens ebenfalls auf dem Navi angezeigt werden.

Wie schon in der Überschrift angekündigt, hat es mich echt gestresst wieder Auto zu fahren. Dies ist natürlich der Tatsache geschuldet, dass ich länger kein Auto gefahren bin. Ich werde zukünftig weiterhin das Taxi oder die U-Bahn vorziehen.

ju

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