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Samstag

Am Tag vor dem Wettkampf muss es ruhig zugehen. Die Wettkampfutensilien müssen an Ort und Stelle gebracht und die Muskeln noch einmal aktiviert werden. Ansonsten Kohlenhydrate essen und entspannen.

Nach einem gemütlichen Frühstück ging es zum Wettkampfgelände. Nach circa 5 Kilometer hielten wir an und Boris fuhr das letzte Stück bis Busselton mit dem Rad. Ich bin vorgefahren und suchte uns einen Parkplatz. Es war ungewöhnlich wenig los zu dieser Uhrzeit.

Kurz danach erreichte auch Boris den Parkplatz. Eine kleine Wettkampfsimulation fand statt. Boris wechselte von den Fahrradschuhen in die Laufschuhe und machte eine kleine Laufeinheit, während ich die Feinjustierung am Rad vornahm.

Alles war fertig und Boris konnte nun voll bepackt mit Taschen sein Rad in die Wechselzone schieben.

Anschließend ging es zu einem leckeren Mittagessen. Zum Abendessen kochten wir uns in unserem Zimmer Nudeln mit Tomatensauce. Vorbereitungen abgeschlossen.

Sonntag

Der entscheidende Tag ist nun angebrochen. Um 3.30 Uhr klingelte der Wecker uns aus dem Tiefschlaf. Nun hieß es frühstücken, Wettkampfnahrung richten und ab nach Busselton. Draußen war es bereits hell.

Wir fanden recht schnell einen Parkplatz. Busselton ist ein verhältnismäßig kleiner Ort für diese Anzahl an Teilnehmern. Die Parkmöglichkeiten entlang den Straßen waren recht schnell ausgeschöpft und das wilde Parken ging los. Das trauten wir uns nicht.

Obwohl wir recht früh vor Ort waren, verflog die Zeit relativ schnell. Eine letzte Kontrolle am Rad, Wasserflaschen füllen und die letzten Beutel, für während des Wettkampfs und nach dem Wettkampf, abgeben. In den Neoprenanzug schlüpfen und schon ging es an den Schwimmstart. Ich wartete bis Boris im Wasser war und ging dann zum Zwischenausstieg. Es mussten zwei Runden mit einem Landgang geschwommen werden.

Nach circa 45 Minuten kam Boris wie vorhergesagt das erste mal aus dem Wasser. Gemütlich schnatternd mit einem anderen Teilnehmer begab er sich in die nächste Runde. Diesmal früher als Vorhergesagt kam er aus dem Wasser und überraschte mich. Damit gab es leider kein Foto vom Schwimmausstieg. Denn fürs Posen gab es keine Zeit.

Währende Boris sich auf die zweite Runde der 90 km langen Strecke begab, nutze ich die Zeit um raus auf den Jetty, den längsten hölzernen Pier der südlichen Hemisphäre, zu gehen.

Ich lief die fast 2 Kilometer Richtung Ende des Jetty’s. Der Wind und die Sonne waren an diesem Tag unbarmherzig. Ich genoss meinen Spaziergang trotzdem sehr und machte einige schöne Bilder. Auf dem Jetty befinden sich Gleise für einen elektrischen Zug, was ich als ein sehr beeindruckendes Motiv empfand.

Zurück an der Strecke war Boris auch schon fertig mit dem Radfahren und es gab „nur noch“ die letze Disziplin zu absolvieren: Einen Marathon. Die Laufstrecke verlief entlang dem Pier und war wunderschön. Für die Zuschauer gab es genug Sitzmöglichkeiten und wer wollte konnte sogar auf dem Rasen eine Runde liegen. Das war alles sehr schön, wenn nur nicht der Wind wäre. Als Zuschauer bewegt man sich wenig. Nur die Hände klatschen. Damit wird einem nicht warm. Ich hielt es nach einer Weile nicht mehr aus und holte mir meine Skijacke. Ja, ich fror wie ein Schlosshund und schlotterte. So stand ich da in Sandalen, Wanderrock und mit einer dicken Jacke. Aber es war mir egal, denn ich musste noch eine Weile durchhalten. Glücklicherweise lagerten wir unsere Winterjacken, in denen wir Peking verließen, im Auto. Bei der Gelegenheit parkte ich das Auto näher zum Veranstaltungsgelände. Was Boris mir am Ende dankte.

Während ich fror, versuchte Boris und die anderen Ironman Teilnehmer ihre Körper mit Eiswürfeln zu kühlen und gleichzeitig gegen den Wind anzukämpfen.

Ich feuerte Boris an der Strecke und später im Zielbereich an. Die Leistung die die Menschen an diesem Tag erbringen, ist unglaublich. Es rührt mich schon zu Tränen, wenn sie an den Start gehen. Im Zielbereich könnte ich ununterbrochen weinen. Die Willenskraft und den Kampfgeist den sie an den Tag legen, ist unglaublich. Viele bringt bereits das Schwimmen an ihre Grenzen und trotzdem machen sie weiter, für das Gefühl wenn sie durch den Zielbogen laufen. Dieses Gefühl, diesen Moment kann man immer wieder hervorholen und daraus Kraft schöpfen. Respekt.

Nach all der Anstrengung traf ich Boris am Ausgang aus dem Recovery Place. Anschließend ging es nur noch zum Wechselbereich um das Rad und die Wechselbeutel abzuholen. Wettkampf geschafft.

ju

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