Kaum zu glauben, aber tatsächlich ist ein Jahr seit unserem Umzug nach Peking und zwischenzeitlich in das Apartment in Sandalwood vergangen.
Wir haben viel erlebt, viel gereist und haben uns in Peking sehr gut eingelebt.
Die Kinder befinden sich im zweitem Schuljahr an der deutschen Botschaftsschule. Boris geht seiner Arbeit nach und trainiert fleißig auf sein Ziel. Er hat einige fahrradaffine Freunde gefunden und wenn jemand aus unserem Apartmentgebäude ein Problem mit seinem Rad oder einen Ratschlag zu diesem Thema braucht, sind wir meistens der erste Anlaufpunkt.
Und ich? Ich habe auch meinen Alltag. Zwei mal die Woche gehe ich zum Chinesisch Unterricht zur Schule, organisiere die Termine für die Fotogruppe der Patengruppe, kümmere mich um die Belange der Familienmitglieder, lerne TaiJi, fahre Rennrad, entdecke Beijing und mache Socializing.
Zwischenzeitlich funktioniert das Meiste einwandfrei. Wir können recht schnell Lebensmittel bestellen, kommen in den Restaurants zu Recht, da wir schon einige regelmäßig vorkommende chinesische Zeichen erkennen, haben unsere Fahrradwerkstätten und geben nicht so schnell auf, wenn wir nicht verstanden werden.
Wir haben Gleichgesinnte getroffen und der Bekanntenkreis wächst stetig. Wir haben ein Netzwerk und man hilft sich gegenseitig. Der Expat-Kreis hält zusammen. Leider haben einige der lieb gewonnen Bekannten Peking schon wieder verlassen. So ist nun man das Expat Leben.
Sprache
Wie weit haben wir die sprachliche Barriere durchbrochen?
Es gibt einige grundlegende Worte die wir im Alltag beherrschen. Dazu gehört zum Beispiel dem Taxifahrer zu vermitteln, dass wir jetzt aussteigen wollen : Women dao la.
In den Restaurants läuft die Konversation eher Wortkarg ab. Caidan- die Menükarte bitte, Maidan – wir würden gerne bezahlen, dabao – wir möchten die restlichen Speisen mitnehmen. Glücklicherweise funktioniert es mit diesen Schlüsselwörtern, wobei an dieser Stelle erwähnt werden sollte, dass die Chinesen das genauso machen.
Während ich mit aller Gewalt versuche die Sprache zu lernen, die keiner anderen von mir beherrschten Sprache ähnelt, sehen das die anderen Familienmitglieder nicht so streng. Wenn wir gemeinsam unterwegs sind, trägt jedoch jeder seinen Anteil zum Verständnis bei. Notfalls sagt Boris : Dui. Was „ja“ bedeutet.
Ich kann zwischenzeitlich das eine oder andere sagen, allerdings steige ich aus, sobald mir geantwortet wird. Das Lustige dabei ist, und das machen wir genau so, wenn wir merken, dass das Gegenüber uns nicht versteht, versuchen wir den Satz aus anderen einfacheren Wörtern zu bilden. Dabei braucht man einfach nur kurz Zeit um das gesprochene nachzusprechen um dann, in der Hoffnung bekannte Vokabeln zu hören, zu verstehen. Zu sagen, dass ich nur wenig chinesisch spreche, brauche ich nicht mehr, denn dieser Satz klingt bei mir zwischenzeitlich so gut, dass man mir das nicht glaubt.
Essen
Nach einigen Monaten in Peking und regelmäßigen Besuchen in verschiedenen Restaurants haben wir einige Stammlokale. Ich habe das Gefühl wir werden sogar zwischenzeitlich erkannt. Wir gehen sehr gerne in die lokalen Restaurants. Unter anderem in Hotpot. Hier befindet sich in der Mitte des Tisches ein Topf mit Brühe. Die weiteren Zutaten bestellt man nach Wunsch. So ähnlich wie Fondue.

Außerdem gibt es ein Malatang. Hier bekommt jeder eine Schüssel und darf sich aus dem Regal mit verschiedenen Zutaten nach Herzenslust bedienen. Von Fleisch über Fisch, Tofu und Gemüse ist alles dabei. Anschließend gibt man seine Zutaten ab und bekommt etwas später eine Suppe mit den Zutaten serviert.

Das gleiche System allerdings angebraten, findet man bei Mala Xiang Guo. Hier sucht man ebenfalls seine Zutaten entweder aus dem Regal oder von der Karte aus. In der Küche werden die notwendigen Zutaten und Gewürze hinzugefügt um das Ganze zu einer schmackhaften Komposition zu bringen.

Manchmal muss man sich einfach trauen und etwas neues ausprobieren. Die sprachliche Barriere erschüttert den Mut. Aber wie gesagt, wir bleiben hartnäckig.
Einkaufen von Lebensmitteln
Gefühlt war ich schon seit Monaten nicht mehr in einem Supermarkt. Das kommt natürlich nicht hin, denn immer wieder geht man doch kurz in einen Supermarkt um die eine oder andere Zutat zu kaufen oder einfach mal zu schauen, was einen so anlacht. Manchmal kaufe ich das Gemüse oder Obst auf einem Gemüsemarkt ein. Einen Wocheneinkauf wie man es aus Deutschland kennt, mache ich nicht. Die Lebensmittel bestelle ich kurzerhand mit einer App und je nach dem ob ich es eilig habe oder westliche Produkte brauche, dauert es schneller oder langsamer. Meistens wird es jedoch innerhalb von 30 Minuten geliefert. Für die westlichen Produkte müssen wir etwas tiefer in die Tasche greifen, allerdings handelt es sich dabei meistens um einzelne Produkte.
Feier
Zur Feier unseres einjährigen Aufenthalts in Peking haben wir es tatsächlich geschafft als Familie die chinesische Mauer aufzusuchen. Einzeln waren jeder von uns schon mal auf der Mauer oder hat sie zumindest aus der Entfernung gesehen. Gemeinsam waren wir aber noch nie auf der Mauer.

Dieser Mauerabschnitt liegt an einem See und bietet damit eine andere Art der Aussicht. Wir waren sehr beeindruckt. Leider reichte uns die Zeit nicht für eine Boots- oder eine Gondelfahrt aus. Wir werden daher noch einmal kommen. Diesmal hoffentlich bei besserer Luft.

ju