Das Leben in Peking hat nun auch für mich volle Fahrt aufgenommen.
Zwischenzeitlich habe ich jede Woche mindestens zwei Veranstaltungen an denen ich teilnehme. Es ist so viel passiert. Ich hinke mit meiner Berichterstattung schon ordentlich hinterher.
Diese Woche steht der nächste Fahrradausflug an. Moment mal. Nächster Ausflug?
Ja. Um der Chronik einigermaßen gerecht zu werden, möchte ich heute über meinen ersten Fahrradausflug berichten. Vorher muss ich jedoch etwas ausholen zum Fahrradkauf.
Nachdem ich einige kürzeren Strecken mit dem Leihrad geradelt bin und mich mit Speedy Gonzales verglichen habe, habe ich festgestellt, dass ein Leben in Peking ohne Fahrrad unvorstellbar ist, da ich doch gerne Fahrrad fahre. Nach reiflicher Überlegung, die Details möchte ich euch ersparen, habe ich mich entschieden mir ein Titan Rad zu kaufen. Für meine erste Fahrradtour mit Boris an unserem ersten Hochzeitstag, sollte das Rad bereits da sein. Die zur Wahl stehende Farbgestaltungsmöglichkeit entsprach leider nicht meinen Vorstellungen. Kurzerhand bestellte ich selbstklebende Folien und beklebte das Rad. Hier ein vorher nachher Bild.


Während ich das gerade schreibe, stelle ich fest, dass ich nicht über meine erste, sondern zwischenzeitlich über meine zweite Tour berichte. Unter anderem stelle ich auch fest, dass die Länge meiner Fahrten exponentiell zunimmt. Meine erste Tour mit Boris waren 56 km. Dieses mal sollten es mit Heimweg über 100 km werden.
Nun kommen wir zu dem eigentlichen Berichtsziel. Ich wurde in eine WeChat Gruppe aufgenommen in der sich Radfahrer aus Peking zum gemeinsamen Radeln verabreden. Die meisten dieser Touren sind für mich ungeeignet. Als eine „social Ride„ Tour angeboten wurde, meldete ich mich an mit dem Hinweis unfit zu sein und wurde herzlich willkommen geheißen.
An einem Dienstag Morgen radelte ich zum 12 km entfernten Treffpunkt. Meine Begleiter sprachen hauptsächlich chinesisch und konnten glücklicherweise englisch.
Wir fuhren zuerst zu einem neu angelegten Park um von dort aus eine neue schöne Brücke zu sehen.



Der Radweg schlängelte sich durch den Park. Immer wieder wurde angehalten um Fotos zu machen und gegen später den vierten Mitfahrer zu treffen. Nach dem Park machten wir uns auf dem Weg Richtung Da Chang und damit raus aus Peking. Unser nächstes Ziel sollte das muslimische Kulturzentrum werden.
Zwischenzeitlich war Zeit für ein Mittagessen. Im Gegensatz zu mir haben meine Begleiter kein Proviant dabei gehabt. Also haben wir uns erst mal ein Restaurant gesucht. Die Jungs haben sich wirklich Mühe gegeben ein Restaurant zu finden, dass auch vegetarische Alternativen anbietet. Vor dem Restaurant wurden die Fahrräder abgeschlossen. Da nur einer ein Schloss dabei hatte, wurden alle Räder aneinander gekettet.




Nach dem leckeren Essen wollten wir weiter, doch leider ließ sich das Zahlenschloss nicht mehr öffnen. Nach mehrmaligen ziehen und zerren war klar, dass dieses Schloss nicht zu öffnen ist. Also wurde ein gegenüberliegender Sanitärladen angesteuert. Von dort brachten die Jungs eine Zange und knackten das Schloss auf. Witzigerweise fuhr in dem Moment die Polizei an uns vorbei. Obwohl wir natürlich im Recht waren, fühlten sich alle etwas ungemütlich.

Nun stand der Besichtigung des Kulturzentrums nichts mehr im Weg. Ein sehr beeindruckendes Gebäude. Zum Glück ist einer meiner Begleiter ein sehr guter Fotograf. Die Bilder sprechen einfach für sich. Leider war es noch zu kalt und die Wasserbecken um das Gebäude waren leer. Ich denke die Bilder wären noch spektakulärer geworden.





Nach dem kleinen Photoshooting ging es wieder zurück. Von der Straße aus sahen wir die Spitze einer Kirche. Spontan entschlossen wir einen kleinen Abstecher zu machen und genauer hin zu schauen. Es handelte sich dabei um eine katholische Kirche. Ich fand es sehr beeindruckend, wie respektvoll meine Begleiter umgegangen sind. Ich wäre in diese katholische Kirche einfach reingegangen und hätte die Atmosphäre auf mich wirken lassen. Die jungen Männer entschieden sich jedoch vorher zu fragen und haben sich überlegt, ob wir angemessen gekleidet sind und dass wir unsere Helme vor dem Betreten ablegen müssen. Sie fühlten sich vermutlich genauso, wie ich mich bei meinem ersten Besuch im Lama Tempel. In der Kirche wurde gerade eine Zeremonie abgehalten, weshalb wir entschieden haben nicht einzutreten.

Dann ging es weiter zurück Richtung Treffpunkt. Vom dort aus radelte ich alleine nach Hause. Boris empfang mich draußen mit bequemen Hausschuhen und einer Cola. Ich war auf jeden Fall fix und foxy und brauchte erst mal einen Tag Pause.
Entgegen meinen Befürchtungen es sei meine letzte Tour in dieser Gruppe, da ich langsamer war als meine Begleiter, wurde ich zur nächsten Radtour eingeladen.
ju