Was haben Speedy Gonzalez und ich gemeinsam?

Natürlich rein gar nichts. Die Marathon Beine sowie die Form für die Alpenüberquerung sind schon lange Geschichte. Aber wie komme ich zu dieser Überschrift?

Gestern machte ich mit Katharina im Nordosten der Stadt eine Shoppingtour. Wobei Katharina ihre Besorgungen erledigte und ich mir Ideen für die Gestaltung des Balkons holte. Für den Heimweg überlegte ich mir ein Taxi zu nehmen. Allerdings sind die Straßen gerade sehr voll. Darum fiel die Wahl auf die U-Bahn. Bis auf die Tatsache, dass sie manchmal ganz schön voll ist, hat sie sehr gute Taktzeiten. So wie man das eben von einer Großstadt erwartet.

In der Nähe unseres Aufenthaltsortes befand sich leider keine U-Bahn Station. Ich musste also erst mal zu einer radeln. Wo ich dann schon unterwegs war, entschied ich spontan, auch den Rest des Weges zu fahren. Es sind circa 11 km und wären für mich früher absolut kein Problem. Die Sonne lockte mich bereits morgens mit einem phänomenalen Sonnenaufgang nach draußen. Warum also die Zeit in der U-Bahn verbringen, zumal die berechnete Ankunftszeit die gleiche wäre.

Der Weg nach Hause führte am vierten Ring entlang. Die Verkehrssituation in Peking lässt gerade, wie schon erwähnt, zu wünschen übrig. Ich radelte wie immer möglichst zügig, so schnell es nun mal mit so einem Leih-Fahrrad geht, das nur einen Gang kennt. Ich war also nicht sonderlich schnell. Jedoch genauso schnell wie die LKWs und die Autos auf der Autobahn. Da ich auf der Nebenstraße fuhr, hatte ich immer wieder auch noch die Ampelrotphasen die meine Weiterfahrt verzögerten. Trotzdem kamen die Fahrzeuge auf der Autobahn nicht schneller voran als ich.

Auch wenn ich Mitleid für die Autofahrer empfand, fühlte ich mich wie Speedy Gonzalez.

Ich genoss die Fahrt, auch wenn das Radfahren in Peking mit viel Nervenkitzel verbunden ist. Hundertprozentig konzentriert mit dem Daumen immer am Abzug der Klingel, um auf sich aufmerksam zu machen und natürlich immer bremsbereit.

Die Mofa-, Motorrad- und Radfahrer beachten selten die Ampelschaltungen oder Verkehrsregeln. Jeder versucht möglichst schnell voranzukommen. Insbesondere die Zwei- und Dreiräder. Gerne auch gegen die Fahrtrichtung an den engsten Stellen. An der Haltelinie stehen bleiben ist verpönt.

Zu Beginn unseres Aufenthalts in Peking sagte man zur mir: „ Es ist ein Fluss. Du musst mitschwimmen.“ „Bleib berechenbar.“
Ich habe das Gefühl ich muss auf meine Vordermänner und -Frauen aufpassen. Die anderen passen auf mich auf. Hoffentlich ist das kein Trugschluss.

Ich kenne zwar die Verkehrsunfallstatistik von Peking nicht, wundere mich aber darüber wie selten es zu Unfällen kommt bzw. wie selten man darüber hört. Man hat das Gefühlt auf den Straßen herrsche eine ganz andere Mentalität. Jeder drängt sich vor und so nimmt man das auch in Kauf, wenn sich ein anderen dazwischen drängt. Es wird zwar viel gehupt, jedoch selten als Zeichen der Aggression. Vielmehr um auf sich aufmerksam zu machen.

Ich habe das Fahrradfahren wieder für mich entdeckt und freue mich darauf, wenn die Temperaturen wieder angenehmer sind, in die Stadt mit dem Fahrrad zu fahren. Die U-Bahnen sind morgens doch ganz schön sardinendosenmäßig.

ju

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